Darf der Bauherr Handwerkerleistungen selbst vergeben?

Er darf. Sollte es sich aber gut überlegen. Für Baulaien wird die Vergabe von Gewerken gemeinhin zur Schwerstaufgabe. Alle Gewerke für einen Neubau auszuschreiben, dauert mindestens drei bis vier Wochen. Im günstigsten Fall geben die kontaktierten Unternehmen nach zwei Wochen ein Angebot ab. Manche Firmen sind so ausgelastet, dass sie überhaupt nicht von sich hören lassen.

Liegen die Antworten vor, wird es richtig kompliziert: Der Vergleich der verschiedenen Angebote, die folgenden Nachverhandlungen mit den einzelnen Bietern, bevor es zum Vertragsabschluss kommt, sind eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

› Der Angebotsvergleich kann für den Laien schnell mal in die Hose gehen.

Nehmn wir mal als Beispiel die Ausschreibung fürs Dach: Zimmermann A schlägt eine andere Dachkonstruktion vor als Zimmermann B. Folglich unterscheiden sich die Masse des benötigten Holzes, Art und Zahl der Befestigungsteile wie Balkenschuhe, Bolzen, Anker, die notwendigen Arbeitsstunden. Unterm Strich ist Angebot B deutlich teurer als das Angebot A. Aus gutem Grund: Es ist das konstruktiv eindeutig besser. Was der ahnungslose Laie aber nicht zwangsläufig erkennt und sich statt dessen veermutlich für das billigere Angebot entscheidet.

› Ein Eins-zu-eins-Vergleich der verschiedenen Angebote ist so gut wie unmöglich, das lassen nur Leistungsbeschreibungen zu, in denen Qualitäten und Aufwendungen ganz genau definiert sind.

Solch eine Ausschreibung mit genauem Leistungsverzeichnis ist gleichfalls ein großer Brocken für einen Nichtfachmann. Ohne entsprechendes Wissen und Erfahrung vergisst man diverse Positionen, sodass später beim Bauen teure Nachträge erforderlich sind. Unseriöse Firmen kalkulieren oft sogar mit diesen Fehlern, sie wissen bereits bei der Angebotslegung, wie und wo sie sich das Geld – später, während des Baus – wieder hereinholen werden. Ein zunächst günstiges Angebot kann am Ende sehr teuer werden.

› Resümee: Vorplanung, Werkplanung und Ausschreibungen gehören in die Hände eines Fachmanns.

› Ungleich risikoärmer ist es, Angebote für überschaubare Aufträge einzuholen. Etwa für  Fliesen- oder Malerarbeiten.

Die folgenden 6 Tipps (der Verbraucherzentrale NRW) sind dabei eine gute Hilfe.

1. Qualifikationen

Wer als Bauherr im Internet einen Handwerker sucht, sollte schauen, ob es sich um einen Innungsbetrieb handelt. Ist es ein Meisterbetrieb? Je nach Gewerk werden unterschiedliche Fachanforderungen, vorgeschrieben von den Innungen, vorausgesetzt. Unbedingt auch Referenzen prüfen.

2. Angebote/Kostenvoranschläge einholen

Auch wenn der Handwerker gefällt– trotzdem immer zwei bis drei Angebote oder Kostenvorschläge von anderen Firmen einholen.

Wichtig: Kostenvoranschläge dürfen um 15 bis 20 Prozent übertroffen werden.

Werden es deutlich mehr Kosten, muss der Handwerker vorab darauf hinweisen. In der Regel halten sich Handwerker an die Preise in ihren Angeboten.

3. Vergleich der Angebote

In den Angeboten oder Kostenvorschlägen sämtliche Positionen auf Vollständigkeit überprüfen. Es sollten alle Vor-, Nach- und Nebenarbeiten berücksichtigt sein. Neben den Arbeitskosten fallen auch Material-, Anfahrts- und Entsorgungskosten an.

4. Vertrag mit Handwerker schließen

Die zu leistenden Arbeiten werden im Vertrag zusammen mit den Preisen schriftlich festgehalten. Aus den Vertragsdetails sollten alle anfallenden Arbeiten, Mengen und Maße hervorgehen.

5. Leistungen prüfen

Sind alle Arbeiten abgeschlossen, wird das Ergebnis vom Bauherren überprüft. Möglichst mit einem Fachmann an der Seite. Bei den Ingenieur- oder Handwerkskammern kann man online nach Sachverständigen suchen.

Mängel werden mit Fotos dokumentiert und schriftlich dem ausführenden Betrieb gemeldet.

6. Nur mängelfreie Arbeit vollständig bezahlen

Bei Mängeln kann ein Teil des Rechnungsbetrages einbehalten werden. Das motiviert den Handwerker, Mängel zu beseitigen bzw. seinen Auftrag vollständig zu erfüllen.

In der Rechnung sollte der Handwerker Lohn-, Material- und Fahrtkosten einzeln aufführen. Einen Teil davon kann der Bauherr von der Steuer absetzen.


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