Welche Vor- und Nachteile haben Eigenleistungen als Eigenkapitalersatz?

› Check Machbarkeit: Die meisten Bauherren werden Eigenleistungen nicht aus Freude an der Arbeit anstreben, sondern um damit ihr Eigenkapital aufzustocken und ihre Finanzierungskosten zu senken. Als Finanzierungsbaustein wird diese sogenannte Muskelhypothek von den Kreditgebern sehr kritisch auf ihren Machbarkeit und Werthaltigkeit hinterfragt.

Sind die geplanten Eigenarbeiten tatsächlich realistisch? Sind ausreichend Zeit und fachliche Fähigkeiten vorhanden?

› Bankenlimit: In der Regel akzeptieren Banken zwischen 5 und 10 Prozent der Baukosten als Eigenleistung. Profihandwerkern werden bis zu 15 Prozent zugebilligt. Die oberste Grenze liegt meist bei 30.000 Euro.

› Zeitlicher Richtwert: Neben dem Job sind in der Woche maximal 20 Stunden Einsatz auf der Baustelle machbar.

› Berechnung: Eigenleistungenwerden auf Basis der Summe, die der Bauherr im Vergleich zur Ausführung durch eine Handwerksfirma einspart, berechnet. Dabei werden sinnvollerweise nur die Lohnkosten berücksichtigt. Materialkosten fallen auch bei Eigenleistungen an. Folglich sind jene Gewerke am sinnvollsten fürs eigene Zupacken, die einen hohen Lohnanteil und wenig Materialkosten enthalten.

› Ein paar Orientierungsbeispiele:

• Tapezieren + Malerarbeiten: ca. 4.000 Euro Ersparnis

• Gartenanlage / Terrassenbau: ca. 3.000 Euro Ersparnis

• Innentüren einsetzen: ca. 3.000 Euro Ersparnis

• Wärmedämmung Dach: ca. 5.000 Euro Ersparnis

Gut zu wissen: Fürs Material bekommen Handwerksbetriebe oft günstigere Preise vom Anbieter als private Kunden. Dieser Vorteil entfällt bei der Muskelhypothek.

Die Eigenleistungen inklusive der Angaben, wer wann was fertigzustellen hat, sollten detailliert im Bauvertrag festgehalten werden.

› Vorgabe von Standards: Bestimmte Kredite, etwa KfW-Darlehen, werden nur vergeben, wenn technische Mindestanforderungen und energetische Standards hergestellt werden. Die müssen auch bei Eigenleistung garantiert werden.

› Mängelbeseitigung auf eigene Kosten: Verursachen Bauherr und Helfer mit ihrer Arbeit Mängel, muss der Bauherr die Nachbesserung aus eigener Tasche bezahlen. Für die Eigenleistungen gibt es keine Gewährleistung.

Sie kann sogar die Gewährleistung an Bauteilen erlöschen lassen, die von einem Fachmann errichtet wurden.

Beispiel: Ein Bauherr instal­liert zusätzliche Steckdosen – dadurch erlischt die Gewährleistung des Elektrikers.

Die Ausführung bestimmter Arbeiten kann sogar gleichbedeutend sein mit der Abnahme von Gewerken, die durch nachfolgenden Leistungen verdeckt oder überarbeitet werden.

Beispiel: Verputzt der Bauherr selbst eine Wand, signalisiert er, mit der ausgeführten Qualität des Mauerwerks zufrieden zu sein.

› Pflicht zum Schadensersatz: Hinterlässt der Bauherr mangelhafte Arbeiten oder wird nicht rechtzeitig fertig und bremst andere Gewerke so heftig aus, dass sie deswegen Terminprobleme mit dem nächsten Auftraggeber bekommen, kann er sogar zum Schadensersatz aufgefordert werden.

› Notwendige Versicherungen: Wird der Bauherr selbst auf der Baustelle tätig, ist er für sich und die Sicherheit seiner Helfer zuständig. So muss er seine Helfer, auch wenn sie unentgeltlich arbeiten, binnen einer Woche bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft anmelden. Und dort die so genannte Bauhelfer­versicherung abschließen

Ebenfalls wichtig ist eine Unfallversicherung für alle am Bau Beteiligten.

Empfehlenswert ist der Abschluss einer Bauherrenhaftpflichtversicherung, die Schadensersatzansprüche abdeckt oder abwehrt. Diese Versicherung greift auch bei Eigenleistung.


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