Wie groß müssen die Abstände zum Nachbargrundstück sein?

Die exakten Vorgaben, wie viel Abstand zwischen zwei Gebäuden bzw. zwischen einem Gebäude und der Grundstücksgrenze einzuhalten sind, finden sich in den Landesbauordnungen. Die ähneln sich zwar, sind jedoch deutschlandweit nicht einheitlich.

Abstandsflächen machen Sinn: Sie gewährleisten zum Beispiel den Brandschutz, ausreichenden Lichteinfall, angemessene Sichtweite und billigen letztlich den Nachbarn eine gewisse Privatsphäre zu.

Abstandsflächenregelungen erübrigen sich, wenn eine Grenzbebauung nach planungsrechtlichen Vorschriften zulässig ist.

Einige grundsätzliche Regeln

• Die Abstandsflächen erstrecken sich immer über die ganze Breite einer Gebäudeseite. Gemessen wird dieser vom am weitesten hervorspringenden Gebäudeteil aus senkrecht zur Wandoberfläche.

• Um den einzuhaltenden Abstand zu berechnen, wird die Gebäudehöhe – je nach Bundesland und Lage des Grundstücks – mit einem Wert zwischen 0,2 und 1 multipliziert. Je ländlicher ein Wohngebiet, desto größere Abstandsflächen. In urbanen Kerngebieten darf die Bebauung enger ausfallen.

• In der Regel gilt in jedem Bundesland ein Mindestabstand von 2,5 bis 3 Metern (selbst wenn der errechnete Wert darunter liegt).

• Steile Dächer, die einen Neigungswinkel von mehr als 70 Grad aufweisen, werden in allen Bundesländern voll zur Gebäudehöhe gerechnet. Bei flacheren Winkeln zählt die Dachhöhe je nach Bundesland nur zu einem Drittel oder Viertel dazu.

Dachaufbauten, die mehr als 50 Zentimeter hinter die Außenwandoberfläche zurückspringen, zählen nicht zur Außenwand, – Auch Erker und Balkone werden ignoriert, wenn sie weniger als 1,5 Meter aus der Wandoberfläche hervortreten, weniger als ein Drittel der Fassadenfläche einnehmen und als untergeordnete Bauteile gelten. Die Vorgaben variieren allerdings je nach Bundesland.

• Die Abstandsflächen müssen auf dem Grundstück selbst liegen. Ausnahme: Grenzt das Grundstück an öffentliche Plätze oder Straßen, dürfen diese bis zur Mitte überschattet werden.

Weitere Ausnahme: Der Nachbar stimmt zu, dass die Abstandsflächen auch auf seinem Grundstück liegen. Er darf die betroffenen Flächen dann aber nicht mehr selbst bebauen. Solche wesentlichen nachbarschaftlichen Vereinbarungen sollten notariell im Grundbuch eingetragen werden.

• Gewächshäuser, Garagen, Carports usw., die eine bestimmte Größe nicht überschreiten, dürfen gleichfalls auf den Abstandsflächen errichtet werden. Obwohl sich alle Bundesländer bei ihrer Gesetzgebung an der länderübergreifenden Musterbauordnung (MBO) orientieren, unterscheiden sich die Regelungen recht deutlich. Beispiel: In Nordrhein-Westfalen sind für Garagen maximal eine durchschnittliche Wandhöhe von 3 Metern und eine maximale Länge von 9 Metern erlaubt. In Hessen darf die Garage auch ohne Baugenehmigung direkt an der Grundstücksgrenze stehen, wenn sie höchstens 50 Quadratmeter groß ist und innerhalb der Baulinie liegt.

Bauherren sollten am besten beim zuständigen Bauamt nachfragen, bevor sie solche Projekte starten.


Sie haben eine Frage, die noch nicht beantwortet wurde?
Frage stellen